Auch heuer wieder trafen sich über 100 Mitarbeiter/-innen und Leiter/-innen aus dem Finanz- und Rechnungswesen am 17.11.2011 im WIFI Wien, um sich bei der mittlerweile 4. Fachtagung Jahresabschluss über praxisrelevante Fragen rund um die Erstellung des Jahresabschlusses zu informieren und auszutauschen.
Der erste Beitrag widmete sich dem Thema „Eigenkapital“. Herr Mag. Andreas Zwettler, Moore Stephens Austria, erörterte die Darstellung der Gewinn- und Verlustverteilung in der Bilanz und im Jahresabschluss bei Einzelunternehmen, Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften. Dabei wurden die einzelnen Besonderheiten und Unterschiede in den diversen Gesellschaftsformen aufgezeigt (bspw. strenges Trennungsprinzip Gesellschafter und Gesellschaft bei Kapitalgesellschaften). Im Zuge des Beitrags wurde auch das Kapitel „negatives Eigenkapital“ behandelt. Kernaussage: Die Gesamtposition Eigenkapital kann nur dann negativ werden, wenn die Bilanz einen Verlust ausweist, der höher ausfällt als das Stammkapital, Gewinnrücklagen und stille Reserven zusammen. In diesem Fall ist eine „Fortbestandsprognose“ zu erstellen. Die Fortbestandsprognose ist durch kein Gesetz erfasst, sie ist rein durch höchstgerichtliche Rechtsprechung entstanden. Ein weiterer Aspekt dabei ist, dass mit der Fortbestandsprognose Haftpflichten sowohl in straf- als auch in zivilrechtlicher Hinsicht für den Vorstand und Gesellschafter verbunden sind. Der letzte Themenpunkt behandelte das „Unternehmensreorganisationsgesetz“, das zwar gesetzlich verankert ist, in der Praxis aber kaum eine Rolle spielt und nicht genutzt wird. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Im Unterschied zur Fortbestandsprognose kommen für den Vorstand, Gesellschafter keine Haftpflichten zum Tragen, aber für das Unternehmen kann es sich wirtschaftlich katastrophal auswirken.
„Der Ausweis und die Bewertung von Forderungen“ wurde als zweiter großer Themenbereich von der Steuerberaterin Mag. Catharina Karl behandelt. Zunächst wies die Referentin auf die einzelnen Formen und den Ausweis von Forderungen hin (Forderungen aus Lieferungen und Leistungen/gegenüber Unternehmen). Mehr Kopfzerbrechen für die Praxis bereitet hingegen die Bewertung. Grundlegend ist bei Forderungen für die Bilanz nach UGB und Steuerrecht immer von der Einzelbewertung auszugehen, erst in einem weiteren Schritt dann eventuell nach einer Pauschalbewertung (ein objektiver Wert ist festzulegen). Nach der Klassifizierung der verschiedenen Forderungen erörterte Frau Karl die einzelnen Werkzeuge, um Forderungen zu bewerten und zu verbuchen. Anhand von Praxisbeispielen wurden die einzelnen Schritte herausgearbeitet. Abschließend ging die Referentin noch auf die Teilaspekte Forderungsverzicht, Factoring (Verkauf von Forderungen an einen Factor/Unternehmen) und Sicherungszession (Abtretung von Forderungen „sicherheitshalber“ an eine Bank) ein und erläuterte die einzelnen Vor- und Nachteile sowie Auswirkungen auf die Bilanz dazu.
Steuerrechtlich ging es nach der Mittagspause weiter. Herr Mag. Dipl.-Ing. Thomas Häusle, Ernst & Young, behandelte „Steuern im Jahresabschluss nach UGB für Kapitalgesellschaften“ und ging zunächst auf die „tatsächlichen Steuern im UGB“ ein. In Folge behandelte er das komplexe Thema „Latente Steuern“: Nach der Abgrenzung Aktive und Passive Latente Steuern, der Darstellung im Jahresabschluss sowie der Berechnung, erarbeitete der Referent die Unterschiede der Latenten Steuern im UGB versus IFRS. Den Abschluss seines Beitrags bildeten die steuerlichen Änderungen mit 2011 gegenüber dem Jahr 2010 (insb. im Bereich des KStG).
Mit dem Themenschwerpunkt „Überprüfung, Kontrollmöglichkeiten und Verprobung von Jahresabschlüssen im Rahmen der Jahresabschlusserstellung“ - Frau Mag. Stefanie Klausberger, LeitnerLeitner, - erhielten die Teilnehmer/-innen Tipps und Checklisten um den Jahresabschluss effizient vorzubereiten, fertig zu stellen und für den Abschlussprüfer die wesentlichen Unterlagen bereit zu halten. Die Referentin behandelte dabei die wichtigsten relevanten Posten des Jahresabschlusses und wies auf die große Bedeutung der richtigen, vollständigen Dokumentation hin.
Die Fachtagung schloss mit einem Beitrag von Herrn Dr. Günther Lamparter, LeitnerLeitner zum Thema „Kostenoptimierung in der Abschlussprüfung“. Im Wesentlichen behandelte der Referent aktuelle Entwicklungstendenzen in der Wirtschaftsprüfung (Vorgaben auf EU-Ebene). Die Richtung geht dabei eindeutig weg von einer „Belegprüfung“ hin zu einer „Systemorientierten Prüfung“ (Stichwort IKS). Nach einer Kurzbeschreibung des „Prüfungsablaufes“ (inkl. Vor- und Hauptprüfung) ging Herr Lamparter auf das Soft-skill-Thema „Kommunikation“ ein. Die Kommunikation zwischen Wirtschaftsprüfer und Mandant stellt für ihn DAS Erfolgskriterium einer effizienten und effektiven Abschlussprüfung dar. Mit Checklisten zum Nachschlagen und –lesen zum Thema wurde die Tagung erfolgreich beendet.
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