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Management und Führung

Ist „Process first“ die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung im Unternehmen?

In vielen Unternehmen steigt der Druck, Digitalisierungsinitiativen rasch umzusetzen. Neue Tools, KI-Anwendungen und Automatisierungslösungen versprechen Effizienzgewinne – doch oft bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Das liegt selten an der Technologie selbst, sondern vielmehr am fehlenden Verständnis für die bestehenden Arbeitsabläufe und Prozesse. Ohne klares Prozessmanagementsystem-Verständnis kann Digitalisierung ihre Wirkung nicht entfalten.

Viele Unternehmen scheitern daran, dass ihre Prozesse historisch gewachsen, schlecht strukturiert, unzureichend dokumentiert und dadurch unterschiedlich interpretiert werden. Diese mangelnde Prozessklarheit führt zu Medienbrüchen, Reibungsverlusten und Unsicherheiten im Arbeitsablauf. Werden digitale Lösungen auf ein solches instabiles Prozessfundament gesetzt, verstärken sie diese Probleme häufig, statt sie zu lösen.


Process first

Deshalb rückt der Ansatz „Process first“ zunehmend in den Mittelpunkt. Unternehmen, die ihre Abläufe zuerst sichtbar machen, analysieren und priorisieren, erreichen einen signifikant höheren Digitalisierungswirkungsgrad. Erst wenn klar ist, wie Prozesse tatsächlich funktionieren, welches Leistungspotenzial sie haben, wo Engpässe entstehen und wo Automatisierung wirklichen Nutzen stiftet, kann die Digitalisierung ihr volles Potenzial entfalten.

Gerade heute stehen österreichische Unternehmen unter starkem Veränderungsdruck: Einerseits steigt der Effizienzdruck in nahezu allen Branchen, gleichzeitig verschärft der Fachkräftemangel bestehende Ressourcenengpässe. Zusätzlich erwarten Kund:innen, Partner:innen und Mitarbeitende eine deutlich höhere Geschwindigkeit und Transparenz in Abläufen und Entscheidungen. Diese Rahmenbedingungen erhöhen die Bedeutung klarer, stabiler und gut verstandener Prozesse erheblich.

Die Fähigkeit, Prozesse strukturiert zu analysieren, zu verbessern und konsequent danach zu arbeiten, wird daher zum entscheidenden Erfolgsfaktor.


Moderne Digitalisierung

Die moderne Digitalisierung wird durch das Zusammenspiel von Prozesslogik, Teamarbeit und gezieltem Technologieeinsatz bestimmt. Besonders wirkungsvoll ist der praxisorientierte Zugang, bei dem reale Arbeitsabläufe sichtbar gemacht werden, kritische Schritte identifiziert und ein gemeinsames und eindeutiges Prozess-Zielbild entwickelt wird. Wenn Führungskräfte und Teams die neuen Lösungen gleichermaßen mittragen, entstehen tragfähige Ergebnisse. Oft bewirken schon kleine Verbesserungen, wie z.B. die Beseitigung eines Medienbruchs oder die Vereinfachung eines Entscheidungspunktes, mehr als der Einsatz komplexer Digital-Tools.

Digitalisierung ist vor allem ein Organisationsentwicklungsprojekt, unterstützt durch die digitale Technologie. Unternehmen,
  • die ihre Teams aktiv einbinden,
  • mit klaren Prozessbildern arbeiten und
  • faktenbasiert priorisieren,
steigern ihre Qualität, Umsetzungsgeschwindigkeit und Kundenorientierung nachhaltig. Erst auf dieser Basis entfalten KI, Automatisierung und Workflow-Systeme ihren vollen Nutzen.

DI Thomas Wolff © Martin Wolff
Thomas Wollf ist Experte für Lean Management, Prozessoptimierung und digitale Transformation mit über 30 Jahren Führungserfahrung in Industrie und Mittelstand. Er lehrt an Fachhochschulen und begleitet Unternehmen praxisnah in die Zukunft.

Bildcredits: © Artinun | stock.adobe.com (Header), © Martin Wolff (Portrait T. Wolff)

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