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Karriere

Die Möglichmacher:innen - wenn Wien im Rampenlicht steht

Sie stehen bei Events abseits des Scheinwerferlichts, doch ihr Engagement macht die perfekte Veranstaltung erst möglich. Im Jahr des Eurovision Song Contest in Wien würdigen wir all jene Berufsgruppen, die im Hintergrund Großes leisten.

Es gibt diesen Moment, kurz bevor alles beginnt. Das Licht im Saal verändert sich, die Stimmen werden leiser. Irgendwo hinter der Bühne wird noch einmal tief durchgeatmet. Kabel liegen bereit, Headsets sitzen, Hände greifen routiniert ineinander. Dann setzt die Musik ein und für das Publikum beginnt ein Abend, der leicht, mühelos und groß wirkt. Was man nicht sieht: Für viele andere ist es der Höhepunkt von Wochen, manchmal Monaten, intensiver Arbeit.

Wenn Perfektion leise ist

Große Events haben eine besondere Eigenschaft: Je besser sie funktionieren, desto unsichtbarer wird die Arbeit dahinter. Alles scheint selbstverständlich. Die Abläufe greifen ineinander, als wäre es immer so gewesen. Doch diese Selbstverständlichkeit ist eine Illusion.

Dahinter stehen Berufe und Menschen, die genau wissen, was sie tun und warum sie es tun. Sie übernehmen Verantwortung, ohne Applaus zu erwarten – Menschen, die früh zu arbeiten beginnen, spät aufhören und deren größte Anerkennung oft darin liegt, dass niemand merkt, wie viel sie leisten. Ohne sie gäbe es kein Rampenlicht, doch sie selbst stehen nicht darin. Denn niemand applaudiert dem reibungslosen Einlass. Wenige jubeln über perfekte Sicherheitsabläufe. Niemand bedankt sich spontan bei jenen, die im Hintergrund koordinieren, organisieren, absichern, verschönern, beruhigen. Und doch würde ohne sie alles stehen bleiben.
Michael Hitzler, blumenkultur © Privat

„Blüten und Event sind kein Gegensatz. Das Business-Event in der heutigen Form ist gekommen, um zu bleiben. Darum sind Momente wichtig, die alle Sinne des Gastes mit Farbe, Duft, Form und Haptik einer echten Blüte berühren. Nicht nur einmal wurde uns die Frage gestellt: ‚Are they real?‘ Natürlich echt! Aus unserer Gärtnerei, mit unseren Gefäßen und mit unserem Handwerk gestaltet. Das i-Tüpfelchen für jedes Event.“

- Michael Hitzler, blumenkultur

Das Uhrwerk hinter jedem Auftritt

Der ESC und jeder Event ist nicht lediglich eine Aneinanderreihung von Auftritten. Er ist ein komplexes Zusammenspiel aus Logistik, Technik, Organisation, Sicherheit und Service. Jeder Bereich ist auf den anderen angewiesen. Jede Verzögerung, jede Unachtsamkeit hätte spürbare Folgen. Genau deshalb braucht es Profis. Da gibt es etwa das Catering, das nicht nur Essen liefert, sondern Abläufe plant, Lieferketten koordiniert, Zeitfenster einhält und auf kurzfristige Änderungen reagieren muss, während im Vordergrund alles leicht und genussvoll wirkt.

Da gibt es die Securitymitarbeiter:innen, die nicht auffallen, weil sie einfach nur aufmerksam sind. Weil sie Situationen lesen, Menschen beobachten und deeskalieren, bevor es gefährlich wird. Da ist die Person im Ticketing, die digitale Systeme betreut, Besucher:innenströme lenkt, Fragen beantwortet und Lösungen findet, noch bevor ein Problem sichtbar wird. Da sind die Visagist:innen, die in wenigen Minuten nicht nur ein Gesicht verschönern, sondern Nervosität auffangen, Selbstvertrauen stärken und wissen, wie sehr Details zählen. Und nicht zuletzt die Florist:innen, die mit Farben, Formen und Texturen Räume emotional aufl aden und damit Teil der Inszenierung werden. All diese Berufe sind keine Nebensache. Sie sind Voraussetzung für den Erfolg eines Events oder einer Großveranstaltung wie dem ESC. Was diese Berufe verbindet, ist ihre Nähe zu den Menschen. Wer hier arbeitet, ist mittendrin: in Erwartungen, Emotionen, aber auch Zeitdruck. Es geht um Präsenz, um Aufmerksamkeit, um das richtige Handeln im richtigen Moment.
Manuela Kubarth © Lara Heidenreich

„Make-up ist nicht nur „Schönmachen“, sondern Stressmanagement und Präzisionsarbeit. Und es ist vor allem Handwerk und Beruf, nicht nur Glamour. Kleine Gesten (z. B. eine kurze Erwähnung in der Moderation, Einblendungen auf Screens oder eine Namensnennung in ausgewählten Social-Media-Posts der Veranstalter:innen) erhöhen die Sichtbarkeit schaffen spürbar Wertschätzung für Leistungen, die leider oft im Hintergrund bleiben.“

– Manuela Kubarth, Make-up

Unsichtbar und doch unverzichtbar

Viele Möglichmacher:innen erzählen über ihre Arbeit, dass sie den Augenblick lieben, wenn alles gelingt, wie sie sich das gewünscht haben. Dass sie stolz sind, Teil eines großen Ganzen zu sein. Dass sie wissen: „Ohne mich hätte es so nicht funktioniert.“ Es ist eine stille, aber echte Form von Erfüllung. Gerade weil diese Arbeit so reibungslos wirkt, fehlt ihr oft die Sichtbarkeit.

Diese Berufe tauchen selten in großen Geschichten auf. Kaum jemand kennt ihre Anforderungen, ihre Ausbildungswege oder ihre Entwicklungsmöglichkeiten. Dabei sind sie anspruchsvoll, vielseitig und alles andere als selbstverständlich. Der ESC macht wieder einmal deutlich: Ohne diese Fachkräfte wäre ein Event dieser Dimension nicht möglich. Kein reibungsloser Ablauf. Keine Sicherheit. Keine Atmosphäre. Kein Erlebnis. Vielleicht ist es an der Zeit, den Blick zu verändern. Dass ein internationales Großereignis wie der Eurovision Song Contest funktioniert, ist kein Glück. Es ist das Ergebnis von Können, Erfahrung und Lernbereitschaft.
Jakob Traxler © ORF

„Unsere Arbeit ist das unsichtbare Rückgrat jedes Events: Ohne Koordination, Ticketing, Abläufe und Krisenmanagement gäbe es keine reibungslose Show. Für mehr Sichtbarkeit wäre es schön, wenn diese Berufe aktiv in die Kommunikation eingebunden und ihre Geschichten genauso erzählt würden wie jene auf der Bühne.“

– Jakob Traxler, Head of Ticketing & Marketing Project Manager ORF

Hinter den Kulissen: Leidenschaft, Können, Verantwortung

Viele Menschen hinter der Bühne haben sich bewusst weitergebildet, spezialisiert, neue Kompetenzen aufgebaut – nicht, um sichtbar zu sein, sondern weil sie ihren Beruf lieben. In einer Stadt wie Wien, in der regelmäßig große Veranstaltungen stattfinden, entsteht so ein besonderes Zusammenspiel: zwischen Menschen, die ihr Handwerk beherrschen, und  Strukturen, die ihnen ermöglichen, dieses Können einzusetzen.

Man spürt diese Qualität nicht als Einzelmoment, sondern als Gesamteindruck. Hinter vielen dieser Karrieren stehen Entscheidungen, die oft unspektakulär wirken: ein Kurs, eine Weiterbildung, ein Lehrgang neben dem Beruf. Der Wunsch, professioneller zu werden. Sicherer. Breiter aufgestellt. Weiterbildung ist hier kein Karrierezusatz, sondern Grundlage.  Denn wer hinter den Kulissen arbeitet, trägt Verantwortung – für die Kolleg:innen, für Abläufe und für den Erfolg eines gesamten Abends. Stillstand ist keine Option. So entwickeln sich Möglichmacher:innen, die nicht zufällig dort sind, wo sie gebraucht werden, sondern bewusst.


Die stillen Erfolgsgeschichten

Was diese Berufe so besonders macht, ist ihr emotionaler Mehrwert. Es sind Momente, die bleiben: wenn das Publikum jubelt, wenn ein Event gelingt, wenn am Ende des Tages alles funktioniert hat. Keine großen Schlagzeilen, aber kleine, stille Erfolge. Sie prägen, sie machen stolz und sie sind unverzichtbar.

Der ESC ist zwar ein großes Spektakel, aber er erzählt eine wichtige Geschichte: jene von Zusammenarbeit, Verantwortung, von Menschen, die im Hintergrund wirken und dadurch Großes ermöglichen. „Die Möglichmacher:innen“ stehen für all jene, die mit ihrem Können Erinnerungen schaffen. Ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, heißt, Berufe neu zu sehen. Denn manchmal ist der erfüllende Platz nicht auf der Bühne, sondern dort, wo alles erst möglich gemacht wird.
Katharina Zehender © Christian Husar

„Am Beispiel des Song Contest zeigt sich, was oft nicht ausreichend wahrgenommen wird: Die Veranstaltungsbranche ist eine eigenständige Wirtschaftsbranche. Über 70 Berufsgruppen tragen Verantwortung für Sicherheit, Infrastruktur und Qualität. Diese Vielfalt verdient Sichtbarkeit, Anerkennung und verlässliche Rahmenbedingungen.“

– Katharina Zehender, Branchensprecherin der Wiener Eventbetriebe in der WKW


Bildcredits: © Drazen | stock.adobe.com (Header), © Privat (Portrait M. Hitzler), © Lara Heidenreich (Portrait M. Kubarth), © ORF (Portrait J. Traxler), © Christian Husar (Portrait K. Zehender)

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