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Wie Pflanzen bei Hitze und Trockenheit bestehen. Standort und Planung sind dabei essenziell.
Steigende Temperaturen, lange Trockenperioden und zunehmende Extremwetterereignisse wirken sich immer mehr auf die Bepflanzung von Gärten und Balkonen aus. Dabei ist es nicht allein die Hitze, die den Pflanzen zusetzt, sondern vor allem die Kombination aus Hitze und Trockenheit. Für DDipl.-Ing. Karl Hillebrand, Landschaftsgärtner und Trainer im Kurs „Landschaftsgärtner:innen - Vorbereitung auf die fachliche Meisterprüfung“ am WIFI Wien, ist klar: „Mit Hitze allein kommen viele Pflanzen zurecht, problematisch wird es, wenn die Feuchtigkeit fehlt.“ Der Klimawandel bringe längere Trockenphasen, abrupte Jahreszeitenwechsel und zugleich Starkregen, der oft nicht ausreichend versickern könne. „Wir müssen klimafit denken, denn Trockenheitsresistenz und Regenmanagement gehören zusammen.“
In der täglichen Arbeit zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Die Pflanzzeiten verschieben sich, und die Sommerperioden werden schwieriger kalkulierbar. „Im Hochsommer sind Neupflanzungen oft heikel, weil Bewässerung und Pflege da kaum nachkommen“, so Hillebrand. Herbst- und Winterpflanzungen gewinnen hingegen wieder an Bedeutung, da Pflanzen bei geringerer Verdunstung besser einwurzeln können. Grünflächen würden zudem bei Neubauten häufig erst spät berücksichtigt. Verdichtete Untergründe und geringe Erdauflagen erschweren tiefes Wurzelwachstum – Probleme, die sich oft erst Jahre später bemerkbar machen. „Grünraum muss früh in die Planung eingebunden werden, nicht erst zum Schluss.“
Klimafitte Bepflanzung: Diese Pflanzen trotzen Hitze und Trockenheit
Was macht Pflanzen widerstandsfähig gegen klimatische Herausforderungen? Karl Hillebrand erklärt: „Kleine, feste, ledrige oder behaarte Blätter reduzieren die Verdunstung. Bei weichen, zarten Blättern leiden die Pflanzen schneller unter Trockenheit.“ Auch Pflanzen, die ätherische Öle bilden, oder solche mit silbrigen Blattoberflächen seien gut an Hitze und Trockenheit angepasst. Bewährt hätten sich heimische, pannonische Arten wie Gamander und Steppensalbei ebenso wie mediterrane Zistrosen oder Steppenhafer. „Heimisch bedeutet aber nicht automatisch klimafit, denn es kommt auf den konkreten Standort an.“ Ein schattiger Innenhof unterscheide sich klimatisch deutlich von einer Dachterrasse mit intensiver Sonneneinstrahlung und Wind. Für die Pflanzen ist der Boden ein wichtiger Wasserspeicher. Lockerer, humoser Untergrund mit ausreichendem Porenvolumen kann Niederschläge leichter aufnehmen und Nährstoffe speichern, während verdichtete Flächen das Wasser ablaufen lassen, statt es den Pflanzen verfügbar zu machen. „Zur richtigen Pflanze am richtigen Standort gehört auch immer das passende Substrat“, betont Hillebrand. Wer primär nach ästhetischen Kriterien plane und Standortbedingungen ignoriere, riskiere spätere Ausfälle.
Auch am Balkon zeigt sich ein Umdenken
Für Hubert Hasler, er ist Meister in der Floristik und leitet am WIFI Wien den Vorbereitungskurs für die ao. Lehrabschlussprüfung Florist:innen, steht fest: „Kundinnen und Kunden kaufen immer weniger saisonale Einjährige. Gefragt sind mehrjährige, dauerhafte und hitzeresistentere Bepflanzungen.“ Bei intensiver Sonneneinstrahlung bewähren sich etwa Yucca rostrata, Olea europaea, Sedum- und Sempervivum- Arten oder Juniperus. Für Blütenfarbe trotz Hitze nennt Hasler Verbena bonariensis, Tamarisken, Scaevola oder Gaura lindheimeri. Häufig unterschätzt werde die Bedeutung von Gefäßgröße und Substrat: „Je größer der Topf, desto stabiler bleibt die Feuchtigkeit.“ Strukturstabiles Substrat sorge für Belüftung der Wurzeln und gute Wasseraufnahme, während torfhaltige Mischungen bei vollständiger Austrocknung wasserabweisend werden können. Auch beim Gießen gebe es typische Fehler: "Zu wenig Wasser ist problematisch und die Blätter sollten bei direkter Sonneneinstrahlung nicht benetzt werden.“ Mulchschichten reduzieren zusätzlich die Verdunstung, bei dauerhaften Lösungen sei zudem eine Bewässerungsanlage sinnvoll.
Im Garten lässt sich der Wasserbedarf durch kluge Planung steuern. Intensiv genutzte Bereiche können anders gestaltet werden als Randzonen. „Wenn ich Kühlung will, brauche ich auch Verdunstung“, sagt Hillebrand. Ein großer Laubbaum schafft ein anderes Mikroklima als eine versiegelte Fläche. Der klassische „englische Rasen“ sei unter heutigen Bedingungen kaum nachhaltig. „Ein kräuterreicher, weniger intensiv gepflegter Rasen ist robuster und ökologisch wertvoller.“ Trockenheitsverträgliche Bereiche und schattenspendende Gehölze können sich sinnvoll ergänzen, ist Hillebrand überzeugt.
Für beide Experten steht fest: Klimafitte Begrünung ist kein kurzfristiger Trend, sondern eine dauerhafte Aufgabe. „Die Schwankungen nehmen zu, und es kommen auch neue Schädlinge“, warnt Hillebrand. Fachlich fundierte Beratung werde daher immer wichtiger. Wer standortgerecht plant, Boden und Substrat berücksichtigt, Bewässerung und Beschattung mitdenkt und realistisch über den Pflegeaufwand informiert, reduziert Ausfälle, vermeidet Reklamationen und positioniert sich als zukunftsorientierter Fachbetrieb. Dauerhafte Begrünung im Zeichen des Klimawandels ist damit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung.
DDipl.-Ing. Karl Hillebrand ist leidenschaftlicher Landschaftsgärtner und Pflanzenexperte. Am WIFI Wien ist er zudem als Trainer im Kurs "Landschaftsgärtner:innen - Vorbereitung auf die fachliche Meisterprüfung" tätig.
Hubert Hasler ist diplomierter Künstler, gelernter Gärtner und Meister in der Floristik. Er leitet am WIFI Wien den Vorbereitungskurs für die ao. Lehrabschlussprüfung Florist:innen.
Bildcredits: © annanahabed - stock.adobe.com, © Matthias Könighofer (Portrait Hillebrand), © privat (Portrait Hasler)
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